|
|
||||||
|
XTRA! 08/2005 |
Österreichs größtes Schwulen- und Lesbenmagazin |
|||||
|
|
||||||
|
|
|
|||||
|
||||||
|
|
XTRA!
08/2005 – Das Editorial: Die Macht der Bilder
Das
Titelbild dieser XTRA!-Ausgabe zeigt zwei junge Männer, die vor wenigen
Wochen im Iran wegen homosexueller Handlungen hingerichtet wurden. Auch wenn
es im Medienzeitalter mittlerweile üblich geworden ist, uns tagein, tagaus
mit Gewaltdarstellungen welcher Art auch immer durch Fernsehen, Internet und
Printmedien zuzuschütten, wird der eine oder andere möglicherweise die
Frage aufwerfen, inwieweit es legitim ist, das Bild einer unmittelbar
bevorstehenden Exekution ausgerechnet als Covermotiv zu bringen. Die
XTRA!-Redaktion hat diese Entscheidung nicht leichtfertig getroffen – es
ging ihr ein interner Diskussionsprozeß voraus. Dazu ist folgendes
festzustellen: Als schwul/lesbisches Medium sehen wir uns in erster Linie
dafür verantwortlich, unserer Informationspflicht nachzukommen, bestehende
Zustände anzuprangern und unsere LeserInnen betroffen zu machen, zu
sensibilisieren. Es ist unbestritten, daß Bilder in einem weitaus höheren
Maß zur Emotionalisierung beitragen können als reine
Textberichterstattung. Auch
der Umstand, daß dieser Fall von Homosexuellenverfolgung in den meisten österreichischen
Medien kaum Beachtung gefunden hat, bestärkte uns einerseits in unserer
Entscheidung, hinterläßt andererseits aber einen bitteren Beigeschmack:
Denn wie sollen wir etwa das Nicht-Reagieren der politisch Verantwortlichen
in Österreich interpretieren? Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren,
daß sich hierzulande offenbar niemand – weder Bundeskanzler, noch Außenministerin,
oder sonst jemand in der Regierung – mit einem „Homo-Thema“ anpatzen möchte. Bilder
haben immer schon große Macht besessen und haben oft zur Veränderung
bestehender Verhältnisse beigetragen. Sohin gesehen ist dieses Coverbild
ein Dokument der Zeitgeschichte, das die Homosexuellenverfolgung im Iran
(aber auch deren stillschweigende Duldung durch den „aufgeklärten“
Westen) auf drastische Weise deutlich macht – nicht mehr und nicht
weniger! Die
Redaktion |
|||||
|
|