Litfest homochrom sucht Autor*innen

homochrom dürfte in Österreich eher unbekannt sein, obwohl es angeblich auch vereinzelte Besucher*innen aus der Alpenregion nach Nordrhein-Westfalen gelockt hat, schließlich war homochrom in den 2010ern eine ziemliche Konstante im kulturellen Leben des Rhein-Ruhr-Gebiets, Deutschlands größtem Ballungsraum. Von Köln über Düsseldorf, Oberhausen, Essen und Bochum bis Dortmund veranstaltete der Verein seit 2009 monatliche LSBTIQ-Filmreihen. 2011 kam ein queeres Premieren-Filmfestival hinzu, welches in der deutschen Homo-Hochburg Köln und der Westfalenmetropole Dortmund stattfand und sich schnell zum zweigrößten Queerfilmfestival des Landes nach den Lesbisch-Schwulen Filmtagen Hamburg entwickelte. Das Filmfest, das so manche Filme exklusiv in Deutschland aufgeführt hat, war es, was homochrom auch überregional Aufmerksamkeit verschaffte. Dennoch stellte der Verein seine Filmarbeit Anfang 2019 vorerst ein.

Seitdem arbeitet das kleine Team engagierter Menschen nicht nur an einer Zeitzeug*innen-Interviewreihe mit dem Titel „Couchgespräche“, sondern entwickelt im Hintergrund auch andere neue kulturelle Konzepte. Eines davon wird im August das Licht der Welt erblicken: Das „Litfest homochrom“ soll nach dem langen zweiten Corona-Lockdown in Deutschland recht kurzfristig und erstmalig vom 06.-08.08.2021 in Köln stattfinden. An diesem Wochenende während der Ferienzeit soll es gut zwei Dutzend Lesungen mit deutschsprachigen Autor*innen, also möglicherweise auch einigen aus Österreich, geben. Die Lesungen, die kostenlos vor Publikum im Museum Ludwig stattfinden, werden als Video aufgezeichnet und anschließend frei im Netz zu sehen sein. Zwar darf nur das Publikum vor Ort über die Publikumspreise abstimmen, die geplant sind, doch Interessierte aus Österreich müssen diesmal also nicht bis fast an die holländische Grenze reisen, um in den Genuss von queerer Literatur zu kommen. Denn, das ist der Punkt, „Litfest homochrom“, welches im Rahmen von Neustart Kultur der Bundesregierung gefördert wird, setzt einen Schwerpunkt auf queere Texte.

Um allen Autor*innen, auch unveröffentlichten, gleichermaßen eine Chance zu geben, hat homochrom eine öffentliche Ausschreibung gestartet, die auch Schreibende aus der Schweiz wie auch Österreich anspricht. Bis zum 04.07. können alle deutschsprachigen Autor*innen literarische Texte mit LSBTIQ-Bezug für eine 25-minütige Lesung einreichen und auf Festivalkosten ein Wochenende in Köln verbringen. Denn neben den vergüteten Darbietungen arbeitet homochrom daran, zusätzliches Networking, Seminare und vielleicht sogar Signierstunden anzubieten – aufgrund der Corona-Situation werden diese Tagungspunkte jedoch nicht ganz so perfekt organisiert wie das Filmfest sein und möglicherweise open air im Park stattfinden. Wer sich angesprochen fühlt, sollte also nicht zögern und sich bis Anfang Juli bewerben. Alle Informationen zur Ausschreibung sind unter homochrom.de/litfest-einreichung zu finden.