DAS EDITORIAL

Vom hohen Ross…

Man hat es nicht leicht in Österreich als schwuler Asylwerber – speziell seit den unter Innenminister Herbert Kickl etablierten Asylverschärfungen: Denn „im Asylverfahren muss der Asylwerber seinen Fluchtgrund glaubhaft machen. Dabei gibt es keine konkreten Beweisregeln, sondern die Beweiswürdigung der Behörde hat nachvollziehbar darzulegen, ob und warum ein Vorbringen als glaubhaft erachtet wird oder nicht“. Wie aber soll ein Homosexueller seine Homosexualität „glaubhaft“ machen?! Dem Beamten eindeutige Angebote zu unterbreiten, wird jedenfalls kaum der richtige Weg sein…

Und so kam es in den letzten Monaten zu manch haarsträubender Entscheidung: Ein schwuler Asylwerber aus Afghanistan erhielt etwa einen negativen Bescheid, da weder sein Gang, noch sein Gehabe oder auch seine Kleidung „nur annähernd darauf hingedeutet“ hätten, dass er homosexuell sei; zudem würde er ein Aggressionspotential aufweisen, das „bei einem Homosexuellen nicht zu erwarten wäre“. In einem anderen Fall wurde der Asylantrag eines schwulen Irakers u.a. deshalb abgelehnt, weil er ein „überzogenes mädchenhaftes Verhalten“ an den Tag gelegt hätte, das auf die Behörden „nicht authentisch“ gewirkt habe; darüber hinaus hätte auch der Vater die Homosexualität seines Sohnes in einem Gespräch in Abrede gestellt. Und in wieder einem anderen Fall wurde der Antrag eines Asylwerbers aus dem Iran mit der Begründung abgewiesen, dass er nicht schwul sei, da er nicht wisse, welche Bedeutung die einzelnen Farben der Regenbogenfahne hätten – von einem Beamten, der vermutlich selbst nicht einmal weiß, wofür das Rot-Weiß-Rot der österreichischen Flagge steht…

Vielleicht könnte der begeisterte Ackergaul-Leiter und -Reiter aus dem Innenministerium samt seinem Amtsschimmel-Gefolge einfach einen Leitfaden herausgeben, aus dem hervorgeht, wie effeminiert jemand sein darf, um nicht als „zu schwul“ bzw. wie wenig effeminiert jemand sein darf, um nicht als „zu wenig schwul“ eingestuft zu werden und was an „Fachwissen“ noch so alles mitzubringen sei?! Oder aber man steigt endlich einmal vom „hohen Ross“ herunter und begibt sich auf Fact-Finding-Mission in das eine oder andere Szene-Lokal, wo man sich selbst ein Bild über Tatsachen & Erscheinungsbilder verschaffen kann, die zuweilen diverse „Alltagsgeschichten“ und ähnliche „Milieu-Studien“ übertreffen – da würden wohl so manchem Bürohengst die Augen übergehen…

Aber Vorsicht: Nur nicht zu kritisch berichten – sonst kommt „am Ende des Tages“ eine „Empfehlung“ an die Polizei, den Kontakt mit XTRA! auf ein Minimum zu beschränken; andererseits wären viele schwule Menschen, Vereine und Medien in den letzten Jahrzehnten froh darüber gewesen, wenn die Polizei ihren „Kontakt“ auf „ein Minimum“ beschränkt hätte…

Die Redaktion