C’etait une bonne annee…

Es war ein gutes Jahr für die LGBTI-Community in Österreich – wie es scheint: Die Ehe und die EP für alle wurden etabliert und sind ab 2019 trotz türkis-blauer Macht Realität, die amtliche Erfassung des „dritten Geschlechts“ wurde eingeläutet, die Wiener Antidiskriminierungsstelle feierte ihr 20-jähriges Bestehen und 30 Jahre Welt Aids Tag wurden mit dem „Jedermann im Dom“ gebührend begangen…

Es war aber auch ein gutes Jahr für die Singer-Songwriter, die sich stets auch unserer Anliegen annahmen & annehmen: Bob Dylan füllte im April die Stadthalle, Paul McCartney im Dezember selbige gleich zweimal und unser aller LGBTIQ-Ikone Joan Baez kann auf zwei ausverkaufte Gigs im Konzerthaus verweisen – während Ed Sheeran zweimal im Ernst Happel-Stadion nur mit Gitarre behalftert im August zeigte, was möglich sein kann; lediglich Charles Aznavour kann seine Stimme leider nicht mehr erheben – er hat uns am 1. Oktober für immer verlassen…

Was allein mit Gitarre möglich sein kann, zeigte jedoch auch Reinhard Mey, den seine „Mr. Lee“-Tour im Februar und März nach zehnjähriger Pause endlich wieder nach Österreich führte; auf zu wenig politisches Engagement angesprochen, reagierte er im Programmheft wie folgt: „Mag sein, dass keines der neuen Lieder sich konkret und im Detail eines der irrlichternden politischen Themen unserer Zeit annimmt (…). Die politische Botschaft lautet klar und unmissverständlich: Seid einander zugewandt, reicht Hände, helft, tröstet und verzeiht, lacht, trinkt Wein und freut euch gemeinsam des Lebens, trotzt dem Irrsinn mit Sanftmut und Freundlichkeit“…

Ins selbe Horn stieß Konstantin Wecker beim Abschlusskonzert seiner „Poesie und Widerstand“-Tour am 1. Dezember Wiener Konzerthaus; Beginnend mit „Willi 2018“ und mit den Worten „Gestern ham’s den Willi derschlag’n, aber heut, aber heut, aber heut halt ma z’samm!“ endete der Abend mit „Questa Nuova Realta“: „Freunde, rücken wir zusammen, denn es züngeln schon die Flammen und die Dummheit macht sich wieder einmal breit; lasst uns mit einander reden und umarmen wir jetzt jeden, der uns braucht in dieser bitterkalten Zeit!“…

Denn zweifelsohne ist es nach wie vor eine bitterkalte Zeit, in der wir leben, und es muss uns allen ja auch klar sein, dass, wenn die immer rechtslastiger werdende Gewichtung in unseren Polit-Systemen Oberhand bekommt, auch die jahrzehntelang mühevoll erkämpften Errungenschaften in Bezug auf LGBTIQ-Anliegen vernichtet würden. Umso mehr gälte es, schon jetzt zusammenzurücken und wachsam zu sein, anstatt stetig Unfrieden, Neid und Missgunst zu stiften und sich im gegenseitigen Diffamieren und Anpatzen zu üben…

Mit diesem Denkanstoß wünschen wir euch und uns allen schöne Feiertage und Prosit 2019!

Die Redaktion