FRAUEN-POWER & POWER-FRAUEN

2018 war das internationale Jahr … des Riffs! Für viele im deutschsprachigen Raum galt es jedoch auch als das Jahr der Frau – hatte doch 1918 die Frauenbewegung mit der Durchsetzung des Wahlrechtes für Frauen (in Österreich durften Frauen übrigens am 16. Februar 1919 erstmals ihre Stimme abgeben) erst so richtig begonnen. Dieser Gegebenheit zollte auch das Schwule Museum Berlin mit der Installations-Reihe „Jahr der Frau_en“ Tribut: Zwölf Monate lang hat man dort die Geschichte(n) und künstlerischen Positionen von Frauen, Lesben, Trans und nicht binären Menschen in den Vordergrund gerückt, am 17. Februar 2019 gab es die Finissage – u.a. mit einer Performance der Drag-Queen „Olympia Bukkakis“…

Medial gesehen könnte jedoch im deutschsprachigen Raum eher 2019 zum Jahr (lesbischer) Powerfrauen mutieren – und das nicht nur auf den Welt-Frauen-Tag am 8. März beschränkt: Beginnen wir mit dem 12. Jänner 2019: Da erhielt die 37-jährige deutsche Singer-Songwriterin Kerstin Ott im Zuge der auf ARD & ORF2 live übertragenen „Schlagerchampions“ den deutschen Schallplatten-Preis als „beste Sängerin 2018“ sowie eine goldene und eine platinene Auszeichnung verliehen. So weit, so gut! Doch Kerstin Ott ist seit ihrem 17. Lebensjahr als lesbisch out & proud unterwegs und lebt seit 2017 mit ihrer Frau Karolina Köppen in einer Eingetragenen Partnerschaft – die inzwischen in eine Ehe umgewandelt wurde. Doch es geht noch weiter: Bei der am 15. März auf RTL startenden, aktuellen „Let’s Dance“-Staffel geht Kerstin Ott ebenfalls aufs Parkett – und das natürlich mit einer Frau, denn für sie „wäre es merkwürdig, mit einem Mann zu tanzen“…

Damit teilt sie sich den Show-Ballroom mit der 28-jährigen österreichischen Singer-Songwriterin Virginia Ernst, die parallel dazu ab 15. März bei „Dancing Stars 2019“ im ORF1-Rampenlicht stehen wird; als fünffache Teilnehmerin an Eishockey-Weltmeisterschaften im Frauen-Nationalteam wechselte sie erfolgreich ins Musikfach, hielt mit ihrer Faible für Frauen nie hinter dem Berg und „ehelichte“ 2017 ihre langjährige Freundin Dorothea Prinz; auch Virginia Ernst bekundete, mit einer Frau tanzen zu werden, und zwar „in Outfits, die auch Männer anziehen“ – zumal sie grundsätzlich im Anzug auftrete und das letzte Mal vor 20 Jahr in einem Kleid gesteckt sei…

All das, insbesondere aber das mediale Desinteresse an derartig an den Tag gelegter Selbstverständlichkeit gleichgeschlechtlich gelebter Präsenz in TV-Blockbustern, unterstreicht, wie weit wir hierzulande gesellschaftlich schon gekommen sind: Denn auch vor sieben Jahren, da Alfons Haider mit Vadim Gabuzow bei den „Dancing Stars“ auf ORF als erstes männlich-gleichgeschlechtliches Paar eines solchen Formats an den Start gegangen war, blieb das „Tamtam“ hinter den quotenbringenden „Aufregern“ zurück – bis Niki Lauda auf den Plan trat, der lautstark allseits gegen den Tanz Mann mit Mann wetterte und so erst (gewollt oder ungewollt, bestellt oder unbestellt, bezahlt oder unbezahlt) für den entsprechenden PR-Aufruhr und damit das Kassa-Klingeln sorgte; doch auch „Niki Nationale“ blieb diesmal kommentarlos…

Die Redaktion