OUTING ZUM SONG CONTEST

Er gilt als Everybody’s Darling und ist seit 25 Jahren als Ö3-Moderator beim ORF: Andi Knoll! Aus diesem Anlass gab es am 1. April auch eine Sondersendung, bei der er seine Lieblingshits aus den letzten 25 Jahren präsentierte. Der 46-jährige Innsbrucker war und ist aber auch im Fernsehen aktiv, etwa als Moderator & Präsentator von „Die große Chance“, „Die große Comedy Chance“, vom Life Ball und natürlich vom Song Contest-Geschehen, das er seit 20 Jahren begleitet – legendär in diesem Zusammenhang sein Satz nach dem Sieg von Conchita Wurst „Jetzt hat die uns den Schas gewonnen“, der in der Folge zum „Spruch des Jahres 2014“ gekürt wurde; unvergesslich überdies sein „Nacktauftritt“ bei der Verleihung des Amadeus Award 2006…

Nach der ESC-Farewell-Party in der Grellen Forelle am 23. April ist Andi Knoll übrigens mit unserer diesjährigen Vertreterin PAENDA seit 5. Mai schon wieder beim heurigen Song Contest-Rummel in Tel Aviv umtriebig, wo er die Vorausscheidungen am 14. und 16. Mai sowie den Main-Event am 18. Mai (bei dem es überdies auch einen Act von Conchita geben soll) in seiner gewohnt freundlich-zwanglosen Art aus dem Convention Center servieren wird…

In Dominic Heinzls TV-Format „Heinzl und die VIPs“ gab es am 28. April in diesem Zusammenhang allerdings ein überraschendes Going Public: Mit den Worten „Es wissen ja alle, die mich kennen, und die mich nicht kennen, haben es sich auch schon mal gedacht“ erklärte Knoll (in) aller Öffentlichkeit, homosexuell zu sein und seit 18 Jahren in einer Beziehung mit einem Mann zu leben, der beruflich hingegen in völlig anderen Gefilden unterwegs ist und mit dem Showbusiness nichts am Hut hat…

War es das Ö3- oder das Song Contest-Jubiläum, das Andi Knoll zu diesem medialen Outing bewogen hat – oder war es ihm einfach ein Anliegen, hinkünftig nicht weiter mit insistierenden Fragen und lästigen Gerüchten konfrontiert zu werden?! All das spielt letztendlich keine Rolle! Erstaunlich ist dahingehend jedenfalls die marginale Reflexion auf dieses Going Public in der Medien-Welt: Natürlich gab es Notizen in der Boulevard-Presse, doch diese waren eher kurz und frei von sensationslüsterner Begeilung – was vor einigen Jahren wohl noch nicht der Fall gewesen wäre: Erinnern wir uns in diesem Zusammenhang nur an das Going Public von Günter Tolar im Dezember 1992, das wochen-, wenn nicht monatelang in diversen Gazetten für Schlagzeilen sorgte; ähnlich verhielt es sich bei Alfons Haider, der (im Zuge einer Gala zu seinem 40er) im November 1997 seine gleichgeschlechtlichen Präferenzen öffentlich machte bzw. bestätigte…

Und das ist auch gut so – denn heutzutage interessieren solche privaten Details (wenigstens in einigen Bereichen) endlich weniger als Leistung & Können, und so sind Going Publics wie die von Virginia Ernst, Daniela Iraschko-Stolz oder sogar jenes von Michael Heltau eben keine „Aufmacher & Knüller“ mehr; dennoch gratulieren wir Andi Knoll zu seinem immer noch mutigen, aber wohl auch befreienden Schritt, hoffen und warten an dieser Stelle jedoch auch noch auf einige „Nachahmungstäter“ – die Zeit ist längst schon reif…

Die Redaktion